Große Betriebe sind überwiegend durch Branchentarifverträge abgedeckt. Kleine Betriebe, die nicht unter Tarifverträge fallen, nutzen jedoch auch die bestehenden tariflichen Standards auf Branchenebene als Leitlinien für Lohnverhandlungen. Daher spielen nationale Spitzen- und sektorale Arbeitgeberorganisationen nach wie vor eine entscheidende Rolle in den Arbeitsbeziehungen. Wie bereits erwähnt, wurden mehrere Anpassungen der Organisationsmuster von Branchenverbänden oder Unterebenen von Arbeitgeberverbänden vorgenommen, um den Bedürfnissen der Mitglieder gerecht zu werden und den Einfluss der Arbeitgeberorganisationen zu verstärken. Zu diesen Anpassungen gehörten Fusionen und Disaffiliationen von Arbeitgeberorganisationen, die Einführung neuer Formen des Mitgliedschaftsstatus und die Einführung von Öffnungsklauseln in Tarifverträgen. Besondere Aufmerksamkeit sollte der Weiterentwicklung des Handwerks gelten, der im Gegensatz zu anderen Industriezweigen durch das Handwerks- und Handelsgesetzbuch geregelt ist. Dieses Dokument erlaubt die Mitgliedschaft eines Arbeitgebers in einer Landesinnung ohne verbindliche Verpflichtung zu Tarifverträgen des Vereins nicht. Mitglieder dieser Zünfte sind daher unabhängig von der Gewerkschaftsebene in ihrer Belegschaft automatisch tariflich versichert. Aufgrund rückläufiger Mitgliederzahlen entschieden sich die regionalen Innungen in der Kfz-Reparaturbranche, nach neuen Organisationsmustern zu suchen. Die Gewerkschaft fordert, dass der Tarifvertrag die Unternehmen der Branche verpflichtet, ihren Anteil an den Direktbeschäftigten jährlich um 10 Prozent zu erhöhen. Es würde in der Tat nichts anderes sein, als die Einhaltung des Gesetzes zu gewährleisten. Zusätzlich zu diesen neuen Mitgliedschaftsoptionen ist die Anwendung von Öffnungsklauseln in Tarifverträgen eine weitere Möglichkeit, mehr Flexibilität zu ermöglichen. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) und die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) untersuchten in einer gemeinsamen Studie die Nutzung, Wirkung und Verteilung solcher Öffnungsklauseln.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass 13% der befragten Unternehmen 2005 eine Öffnungsklausel in ihrem Tarifvertrag hatten. Von diesen Betrieben haben 52 % im selben Jahr von dieser Klausel Gebrauch gemacht. Öffnungsklauseln, die abweichungen von kollektiv vereinbarten Standards zulassen (vorausgesetzt, dass bestimmte Bedingungen erfüllt sind), wurden häufig für Arbeitszeitanpassungen verwendet. Nur eine Minderheit der Unternehmen nutzte Öffnungsklauseln für die Senkung der Löhne, und dies war bei den Unternehmen in Ostdeutschland weiter verbreitet (DE0606019I). Durch die Alarmierung der lokalen Behörden und der Presse und die Schaffung spezieller Unterstützungsstrukturen für Wanderarbeitnehmer in der Branche ist es den Gewerkschaften in diesem Sektor in den letzten zwei Jahren gelungen, eine Reihe von Veränderungen zu erreichen. Wie Tabelle 1 jedoch deutlich zeigt, ist die Zahl der von Tarifverhandlungen erfassten Betriebe in den einzelnen Industriesektoren sehr unterschiedlich. Weitere Faktoren, die die Tarifsicherung beeinflussen, sind die Größe des Betriebs, die Existenz eines Betriebsrats und der Standort des Betriebs. Ostdeutsche Betriebe fallen seltener unter einen Branchentarifvertrag.

In Deutschland herrscht der regionale Branchentarifvertrag. Branchenspitzen-Arbeitgeberorganisationen koordinieren in der Regel die Tarifstrategien ihrer Mitglieder, z. B. durch Empfehlungen. Die Tarifverhandlungen werden von ihren Mitgliedern geführt. In anderen Tarifregionen könnten jedoch Pilotverträge einer Tarifregion angenommen werden, wie dies beispielsweise bei der Tarifrunde 2008 in der Metall- und Elektroindustrie (DE0812049I) der Fall war.